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Gitarre kaufen - das wohl heikelste Thema .

 

Dazu gibt es bestimmt mehr Meinungen als Gitarren. Hier sind meine Gedanken aufgeschrieben.  Wer das anders sieht, kann sich ja gern im Forum äußern, würde mich sehr freuen.

 

Welches Instrument für wen?

 

Vorweg eine Definition:

Einsteiger : 0 -3 Jahre (Gitarrenschüler)

Anfänger   : 3 bis ?? Jahre. 

 

Als Einsteigerinstrument muss es sicher nicht die 20.000€-Gitarre sein. Allerdings auch nicht zu billig. Ein guter Gitarrist kann auch noch mit einer schlechten Gitarre umgehen, aber ein Einsteiger hat schon genug damit zu tun die Haltung zu bewahren und seine Finger zu sortieren. Da verliert man leicht den Spaß, wenn man auch noch gegen das Instrument spielen muss.

Zu Anfang ein gutes Einsteigerinstrument, bundrein mit guter Mechanik, bekommt man im Fachgeschäft. Dazu gute Beratung. Ich selber kenne da 3 Läden aus Erfahrung: Clavis in Bremen Nord, Spula in Delmenhorst, der Gitarren auch selber baut und Viertmann in Köln, der alles hat, was man sich in Sachen Gitarre vorstellen kann.

 

Bis 500€ gibt es die Einsteigergitarren. Wer sich nicht sicher ist, ob er das Erlernen durchhalten wird, kann sich ja zunächst ein Instrument leihen. Die meisten Musikschulen bieten so etwas an, oder man hat Jemanden in der Familie, Verwand-, oder Bekanntschaft, dessen Gitarre schon ewig nur so herumsteht.

 

Diese Gitarren (bis 500€) stammen aus Massenfertigungen. Das bedeutet, dass keine Rücksicht auf Holzbeschaffenheit genommen wird, die Mechaniken einfach gehalten sind und so kann man sie manchmal nicht gut Stimmen. Die Gefahr ist größer, dass sich solch ein Instrument verzieht. Man kann aber durchaus auch mal ein Schnäppchen machen. Deshalb ist auch hier gute Beratung notwendig.

 

Über 500€ beginnen gute Anfängergitarren.

Wer sich am Instrument weiterentwickelt und merkt, dass das eine oder andere einfach nicht klappen will, sollte mal ein besseres Instrument im Fachgeschäft probieren. Denn, wer sich weiterentwickelt ist irgendwann besser als sein Instrument.

 

Über 1000€ beginnen die Semi-Meistergitarren. Hier hat ein Gitarrenbaumeister eine Gitarre vorgegeben und die Kleinserien werden von Gitarrenbauergruppen hergestellt. Der Vorteil ist die Zeitersparnis durch Arbeitsverteilung.

 

Über 2000€ entstehen dann schon wertvolle, Instrumente, die alle Eigenschaften von Meistergitarren haben, aber eben auch noch in Gruppen gebaut werden. Wer eine echte Meistergitarre spielen möchte, muss dann schon mal 5000€ und mehr ausgeben. Es ist dann nur die Frage, ob die eigene Technik ausreicht die Stärken des Instruments auch heraus zu spielen.

 

Was ist wichtig beim Kauf?

 

 

Eins vorweg, liebe Väter, Mütter, Tanten, Onkel: Genauso wenig wie man ein Haustier verschenken kann, gehört eine Gitarre unter den Weihnachtsbaum. Bestenfalls ein Gutschein. Ein Instrument muss man selber ausprobieren. Man muss sich in das Instrument "verlieben" und es soll sich gleich gut bei dem Spieler anhören und für ihn leicht zu spielen sein.

Da gibt es aber Abhängigkeiten von Körpergröße, Handgröße, Fingerkraft, Fingernägeln. Da stehen Fragen im Raum, wie, wo soll das Instrument gespielt werden, was soll damit gespielt werden, usw.

 

  • Das Holz.
    Schon vor 200 Jahren hat man herausbekommen, dass für den Klang des Instrumentes die Gitarrendecke entscheiden ist. Es wurde eine Gitarre aus Pappmache angefertigt und darauf eine Holzdecke gesetzt. Zu einer Vollholzgitarre gab es klanglich kaum einen Unterschied. Die Decke wird gern aus Zeder oder Kiefer hergestellt. Zeder klingt etwas härter, trägt aber auch weiter. Kiefer klingt weicher, hält aber nicht so lange. Das -meine ich- ist aber egal, da bei guter Pflege das Instrument älter wird, als sein Spieler.
    Die Decke soll aus einem Stück sein. Das Schallloch unter den Seiten, alles andere ist modischer Schnickschnack.
    Beim Korpus gibt es häufig Kiefer, aber auch Buche, Zeder, Ahorn. Das ist nun reine Geschmackssache.
    Das Griffbrett muss aus Hartholz sein, z.B. Ebenholz.
     
  • Die  Mechanik
    Auch nicht ganz unwichtig. Schließlich müssen wir damit das Instrument stimmen. Hier gibt es erhebliche Unterschiede. Bei einfachen Modellen werden die Schnecken von angenieteten Metallen gehalten. Bei guten ist das Trägerblech aus einem Stück. Gute Mechaniken lassen sich ganz leicht drehen. Sie knacken nicht und die Spindeln laufen vollkommen gleichmäßig.
     
  • Steg und Sattel
    muss man herausnehmen könne. Da die volle Wucht der Seiten darauf ruht, müssen sie entsprechend hart sein. Knochen oder sehr gute Kunststoffe können das.
     
  • Die Bundstäbchen
    müssen vollkommen gleichmäßig (zum Schallloch hin werden die Abstände geringer) sein und dürfen keine scharfen Kanten aufweisen.
     
  • Der Lack
    ist natürlich für den Ton wichtig. Preiswerte Modelle werden mit Kunststofflacken beschichtet. Das geht schnell, sieht gut aus und kann nicht repariert werden, wenn da mal was passiert ist.
    Lacke auf Alkoholbasis kann man reparieren, muss aber zu Anfang in Dutzenden von Anstrichen aufgetragen werden. Das kostet (Arbeits-)Zeit und erhöht folglich den Verkaufspreis.
    Für die Decke ist auch Schellack beliebt. Dem Klang tut es gut kann bei Bedarf erneuert werden. Wenn man sich allerdings überlegt, dass Schellackdecken von Hand poliert werden müssen und dass das gut eine Woche dauert, kann man sich ja leicht ausrechnen, wie damit der Preis steigt. Aber wie gesagt, dem Klang tut es gut.
     
  • Zubehör
    Zunächst natürlich der Gitarrenkoffer. Den gibt es schon ab 80€, hält ein Leben lang und ist der Tasche mit Sicherheit vorzuziehen, da ein besseres Klima im Koffer gehalten werden kann und das Instrument gegen mechanische Beschädigungen geschützt ist.

    Stimmgerät ist ein muss! Ob es die Stimmgabel, die Pfeife, oder eins von den Elektronischen Geräten ist, bleibt wohl Geschmackssache. Die kleinen Stimmcomputer helfen aber mit Sicherheit mehr und sind inzwischen auch schon für 30€ zu haben.

    Befeuchtungssysteme gehören auch in den Gitarrenkoffer. Das Instrument ist ja aus Holz (ach was?). Die relative Luftfeuchte im Koffer  sollte zwischen 50 und 70% betragen. Diese Systeme, z.B Airwave, geben kontrolliert Feuchtigkeit ab. Gerade bei guten Instrumenten gehört auch ein Hygrometer dazu, um die Luftfeuchte messen zu können.

    Notenpult & Co.
    Wer ein Instrument spielt, tut dies ganz sicher nicht nur ein paar Minuten in der Woche, sondern meistens täglich. Da kommen schon viele Stunden zusammen. Deshalb sollte man schon ein bisschen Wert auf Ergonomie legen.
     
  • Notenpult: Feststehend und stabil, damit man in seinen Noten auch Notizen mach kann.
  • Notenpultbeleuchtung: Man muss ja viel und genau lesen.
  • Sitzbank: Gibt es im Fachgeschäft. Ist nicht nur für den Hintern wichtig, sondern baut Rückenschäden und Verspannungen vor.
  • Fußbänkchen: Sonst geht gar nichts. Gibt da ein Standartmodell in 4 Farben.

Eine letzte Überlegung: Wer eine Gitarre erwirbt muss sie einspielen. Die ersten Monate entscheiden darüber, wie das Instrument klingen wird, ob es sich entwickelt, oder verschließt. Das kann ein Anfänger nicht bewältigen. Deshalb würde ich einem Anfänger empfehlen, sich zunächst eine Gebrauchte zu kaufen. Sie ist eingespielt und für das gleiche Budget bekommt man ein Höherwertiges Instrument.

 

Beim Kauf selber:

Zeit lassen. In einem guten Gitarrengeschäft findet man auch diese Ruhe. Mit den Ohren und Händen kaufen und dann mit den Augen. Das gilt auch für den Blick auf das Preisschild. Eine Person des Vertrauens muss zuhören, weil bei meinem Gegenüber die Gitarre ganz anders klingt. Selber spielen. Kein Mensch in einem Musikgeschäft wird lachen,  wenn man nicht so gut ist, denn sie machen ja alle selber Musik und wissen, wie schwer es ist, ein Instrument zu erlernen.

Wer eine Gitarre für 100€ in die Hand nimmt darf keine Wunderwerke erwarten.

Das Verhältnis von angebotenen Artikeln und Preis sollte man nicht kritisieren. Musikalienhändler wird man nicht aus Profitgier, sondern aus Leidenschaft zur Musik. Und mit jedem verkauften Instrument geht auch ein guter Freund des Händlers.

 

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